Bestimmte Spielzeuge sind einfach zeitlos: Ob LEGO-Stein, Schaukelpferd oder Rennautos, bis heute begeistern so manche Spielsachen Kinder auf der ganzen Welt. Ähnlichen Kultstatus besitzen auch die Spielzeuge der tschechischen Designerin Libuše Niklová. Ihre Gummifiguren, Akkordeon-Tiere – auch bekannt als Ziehharmonika-Tiere –und aufblasbaren Kindersitze sind wahre Klassiker des tschechischen Designs und können heute in zahlreichen Ausstellungen überall auf der Welt bestaunt werden. Als eine der ersten Designer weltweit verwendete sie dabei PVC für ihre Kreationen, womit sie als Pionierin des Kunststoffspielzeugs gilt.
Weltberühmte Akkordeon-Katze aus Tschechien
Die Ziehharmonika-Katze – oder besser bekannt als „Akkordeon-Katze“ – zählt zu den bekanntesten Designs von Libuše Niklová. Libuše Niklová wurde 1934 in Zlín geboren und erlernte an der Zdeněk Nejedlý State School of Applied Arts in Zlín und Uherské Hradiště das Arbeiten mit Kunststoffen. Nach ihrem Abschluss war sie ab 1954 bei Gumotex angestellt. Hier entstanden ihre ersten Spielzeug-Designs, wie Quietsch-Gummifiguren aus PVC oder Schaumstofffiguren, deren Arme und Beine man in verschiedene Positionen drehen konnte. Auch Souvenirs zu Anlässen wie der tschechoslowakischen Spartakiade oder Ausstellungen und Messen in Brno kreierte sie in dieser Zeit.

Von 1961 an war sie bei Fatra Napajedla beschäftigt, wo einige ihrer berühmtesten Designs entstanden, allen voran die Akkordeon-Spielzeuge: Überwiegend Tierfiguren mit einem quiekenden Akkordeon als Körper. Das bekannteste Exemplar ist die kleine Ziehharmonika-Katze Tomcat, von der bis 1970 knapp 1,2 Millionen Stück produziert wurden.
Neben der Katze entwarf Niklová auch weitere Akkordeon-Tiere wie Hunde, Krokodile und Löwen. Die Idee kam ihr zufällig: Auf dem Firmengelände entdeckte sie einen Schlauch, der eigentlich für ein neues Spülsystem gedacht war – für Niklová war es die Grundlage für eine völlig neue Art des Spielzeugs. Die Modelle wurden in Einzelteilen verkauft, um das kreative Denken und die Fantasie der Kinder zu fördern.
Aufblasbare PVC-Sitztiere sind Kult
Später designte Libuše Niklová kleine aufblasbare Spielfiguren aus PVC, so genannte Inflatables. Diese stellten Kinder aus verschiedenen Kulturkreisen dar, aber auch Berufe, Tiere oder sogar ein Flugzeug waren unter den Designs. Ab den 1970ern entwarf sie schließlich große aufblasbare PVC-Sitzfiguren in Tiergestalt, von denen der berühmteste ein roter Büffel war. Diese riesigen Figuren waren zu der Zeit ein Novum, denn waren Kindersitze vorher meist nicht mehr als verkleinerte Varianten gängiger Möbelstücke. Ihre Entwürfe hingegen waren knallig, aufregend und voller Spielspaß: Kinder konnten auf ihnen Abenteuer bestreiten, herumhüpfen und sie sogar quieken lassen.

Daneben designte Libuše Niklová noch zahlreiche andere Spielsachen, wie Wasserspielzeug und Modelle basierend auf den Romanen von Jules Verne. Ihre Kreationen waren so findig, dass sie überall auf der Welt kopiert wurden. In über 25 Ländern von Argentinien bis Hong Kong waren Kopien ihrer Entwürfe im Umlauf – Millionen von Kindern hatten also mit ihren Spielsachen gespielt. Sie war verheiratet mit dem Maler František Nikl, mit dem sie einen Sohn und eine Tochter hatte. 1981 starb sie mit nur 47 Jahren in ihrem Heimatort Zlín.
Innovatives Spielzeug für alle Sinne
Libuše Niklová entwarf über 230 verschiedene Modelle und beantragte Patente für 9 Erfindungen und 3 industrielle Designs. Für ihre Spielsachen verfolgte sie eine klare Philosophie: Spielzeug sollte die Persönlichkeit der Kinder fördern und sie mit allen Sinnen ansprechen: Ob taktil, optisch, akustisch oder gar olfaktorisch – die Beschäftigung mit ihren PVC-Spielzeugen sollte Kinder aktiv einbinden, statt sie zu passiven Beobachtern zu machen.
So weckten vor allem ihre PVC-Inflatables mit ihrer einfachen, klaren und schönen Form das Interesse der spielenden Kinder. Besonders beliebt waren die Figuren mit der typischen Quietsch-Funktion – allen voran die Ziehharmonika-Tiere. Die bunten, oft handbemalten Modelle und die charakteristischen großen Augen hatten ihren ganz eigenen Charme. Auch mit der vielfach eingesetzten Quietsch-Funktion und den angenehmen Gerüchen boten die PVC-Figuren großen Spielspaß.

Gleichzeitig waren ihre Sitztiere weich, angenehm in der Haptik und leicht zu greifen – ideal zur Förderung motorischer Fähigkeiten. Trotz ihrer Größe wogen die Tiere nur rund 0,5 kg und waren daher auch für Kleinkinder sicher handhabbar. Nach dem Spielen ließen sie sich einfach entlüften und platzsparend verstauen.
Aufgrund der hervorragenden Materialeigenschaften von PVC galten die Figuren als besonders robust und widerstandskräftig: Bis zu 30kg konnten sie mühelos tragen. Zu verdanken ist dies vor allem dem Verfahren des Hochfrequenzschweißens. Auf diese Art verarbeitet, hielten die PVC-Folien deutlich stärker Bestand als durch Nähen oder Kleben.
War dennoch etwas kaputt gegangen, ließen sie sich ohne großen Aufwand leicht reparieren. Nicht zuletzt waren die Spielzeuge äußerst temperaturbeständig, womit Kinder zu jeder Jahreszeit problemlos mit ihnen spielen konnten. Die Reinigung war denkbar einfach: Ein feuchtes Tuch und etwas Seife reichten aus.
Libuše Niklová: Tschechisches Design – international bewundert
Lange Zeit bestanden Spielzeuge vornehmlich aus Holz – gerade Tschechien ist für seine Holzspielzeuge berühmt. In den 1960ern bahnte sich jedoch eine Revolution an: Neue Stoffe und Verfahren kamen auf und sorgten für gänzlich neue Möglichkeiten. Mit Kunststoffen wie PVC war es möglich, Spielzeuge für die Massen zu produzieren und sie zu günstigen Preisen anzubieten. Libuše Niklová stand mit ihren Designs an der Spitze dieser Entwicklung. Zurecht kann man ihre Spielsachen daher als bahnbrechend, innovativ und wegweisend bezeichnen.

Entsprechend groß ist ihr Vermächtnis: Zahlreiche renommierte Museen vom Louvre in Paris, dem Museum of Modern Art in New York bis zum Victoria and Albert Museum in London würdigten ihr Schaffen in Ausstellungen. 2005 wurden die Tomcat und der rote Büffel von einer Experten-Jury in die Liste der 100 bedeutendsten tschechischen Designs gewählt. Sie wurde 2012 zudem als erste Frau in die tschechische Hall of Fame des Designs aufgenommen. Heute sind ihre originalen Entwürfe begehrte Sammlerstücke. Das Unternehmen Fatra hat ihre berühmten aufblasbaren Spielzeuge seit einigen Jahren wieder ins Programm aufgenommen und bietet sie als Teil einer Retro-Kollektion an.
PVC-Spielzeug: Bis heute beliebt
Der Werkstoff PVC erweist sich noch immer als beliebtes Material in der Spielzeugindustrie: Ob täuschend echt nachgebildete Tierfiguren, als Teil von Springseilen oder in Laufrädern – seine Vielseitigkeit, Haltbarkeit und einfache Pflege machen es zum idealen Material. Durch die Entwicklung neuartiger Additive wie Hexamoll DINCH erfüllen sie darüber hinaus höchste Sicherheitsanforderungen. Beste Voraussetzungen für jahrelangen Spielspaß.
Mehr Informationen auf https://www.libuseniklova.com/.
Fragen & Antworten zu Libuše Niklová
Was ist die Ziehharmonika-Katze von Libuše Niklová?
Die Ziehharmonika-Katze, oder auch Akkordeon-Katze genannt, trägt den Namen Tomcat und ist eines der bekanntesten Designs der tschechischen Spielzeugdesignerin Libuše Niklová. Sie besteht aus einem bweglichen, flexiblen, quietschenden Körper in Akkordeonform und wurde weltweit über eine Million Mal verkauft.
Gibt es die Akkordeon-Tiere heute noch zu kaufen?
Ja. Das Unternehmen Fatra produziert seit einigen Jahren eine Retro-Kollektion der Originalspielzeuge – darunter auch die berühmte Ziehharmonika-Katze und aufblasbare Sitztiere.
Warum ist PVC für Spielzeug so beliebt?
PVC ist langlebig, leicht zu reinigen, temperaturbeständig und sehr belastbar. Zudem lässt es sich gut formen und ist durch moderne Additive gesundheitlich unbedenklich.
Was macht das Design von Libuše Niklová so besonders?
Ihre Entwürfe sprechen alle Sinne an, fördern die Kreativität und kombinieren kindgerechte Formen mit funktionaler Gestaltung. Ihre PVC-Spielzeuge gelten als Designikonen.



