Der französische Künstler Daniel Buren ist bekannt für seine temporären Werke und bespielt mit seinen ortsspezifischen Arbeiten die großen Ausstellungshäuser der Welt. Während der diesjährigen Ruhrfestspiele in Recklinghausen hat der Künstler die Fassaden des Festspielhauses und der Kunsthalle mit farbigen transluzenten PVC-Folien gestaltet und damit vollkommen verändert.

Die seit dem Jahr 1947 stattfindenden Recklinghäuser Ruhrfestspiele gehören zu den renommiertesten Theaterfestivals und ziehen jährlich mehr als 80.000 Besucher in ihren Bann. Sehenswert sind nicht nur die Aufführungen, sondern auch die begleitenden Kunstausstellungen. Sie widmen sich seit Anfang der 1990er Jahre vor allem international arbeitenden Künstlern. In diesem Jahr konnte Daniel Buren, einer der renommiertesten französischen Maler und Bildhauer der Gegenwart, mit dem Projekt „Zwei Werke für Recklinghausen“ für das Ausstellungsprojekt gewonnen werden.

Wechselnde Stimmungen

Buren gestaltete die großzügige Glasfassade des fast 60 Meter breiten Ruhrfestspielhauses, ein nach Entwürfen des Architekturbüros Auer + Weber + Partner entstandenes und im Jahr 2001 mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnetes Gebäude. Er verlieh der Fassade ein neues Gesicht, indem er die 1,44 Meter hohen und etwa 3,50 Meter breiten Glasflächen mit farbigen PVC-Folien bekleben ließ.

(Fotos: Ferdinand Ullrich, Recklinghausen)

Da sich farbige und farblose Flächen abwechseln, besteht die Fassade aus auf- und absteigenden Diagonalen einmal mit farbigen, einmal mit klaren Gläsern. Auf diese Weise akzentuiert Buren die bestehende Struktur der gerasterten Glaswand, deren Einzelflächen entweder in lichtem Blau, sandigem Gelb, sattem Grün und stechendem Magenta erstrahlen oder mit weißen Vertikalstreifen gestaltet sind. Die Farbigkeit der Folien verändert das Festspielhaus nicht nur von außen. Im Inneren ist die Verwandlung auch in der hohen Eingangshalle hinter der Glasfront spürbar, wenn die Farben der Glasflächen durch den wechselnden Lichteinfall in unterschiedlicher Intensität über alle Gegenstände hinwegspielen.

Dialogisches Prinzip

Auch die Recklinghäuser Kunsthalle hat Buren künstlerisch verändert. Hier ließ er die 28 Einzelscheiben des großen, zwei Stockwerke überspannenden Fassadenfensters mit den farbigen Folien bekleben. Im Unterschied zum Festspielhaus bleibt der Effekt der Beklebung nur Betrachtern vorbehalten, die das Gebäude von außen in Augenschein nehmen. Besonders groß ist der Reiz bei Dunkelheit, wenn die farbige Glasfront durch die innere Beleuchtung des Gebäudes ihre eigentliche Wirkung entfaltet. Im Zusammenspiel mit dem Festspielhaus entschied sich der Franzose für eine fast identische Farbkomposition der Folien, sparte Grün aber aus. Die farbenfrohe Gestaltung beider Gebäude passt zum vielfältigen, bunten Charakter der Ruhrfestspiele. Nach dem 26. Juli werden die Fassaden wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Am Ende bleiben so genannte „Photo Souvenirs“ zurück, persönliche Erinnerungsbilder, die vergangene Eindrücke wieder ans Licht holen.

(Fotos: Ferdinand Ullrich, Recklinghausen)

Der „Streifenmaler“

Der in Paris lebende und arbeitende Künstler Buren setzt sich intensiv mit der Architektur von Räumen auseinander und arbeitet vorwiegend im öffentlichen Raum. Sein Markenzeichen sind seit den 1960er Jahren 8,7 Zentimeter breite, farblich alternierende Streifen, die er auf unterschiedliche Materialien aufbringt. Mit diesem reduzierten „visuellen Werkzeug“ wurde er auch als „Streifenmaler“ berühmt. Nicht zum ersten Mal arbeitet der bildende Künstler mit PVC-Folien. Im Jahr 2012 bespielte er das Grand Palais während der MONUMENTA in Paris mit einer Installation aus transluzenten PVC-Folien. Sie wurden in 377 miteinander verbundene runde Stahlringe eingespannt und tauchten die ehemalige Weltausstellungshalle je nach Lichtverhältnissen in ein ständig wechselndes Farbenmeer. Ähnlich wie bei den beiden Gebäuden der Ruhrfestspiele in Recklinghausen.

Mehr Informationen unter www.ruhrfestspiele.de.