Ob Architektur, Innenausstattung oder Fitnesszubehör: Im Sport haben PVC-Produkte ihren festen Platz. Elastische Sportbodenbeläge bieten eine sichere und komfortable Basis in Turnhallen. So auch bei den Handball- und Volleyballfeldern in Rio, für die Hersteller Gerflor 15.000 m2 Sportbodenbeläge geliefert hat. Beschichtete Membranen prägen das Gesicht vieler moderner Sportstätten mit formvollendeten Dächern, vorgehängten Fassaden oder abgehängten Decken. Und zu vielen Fitnessarten gehören PVC-Produkte wie Punchingbälle, Gymnastikmatten oder Raftingboote einfach dazu.

Wenn Top-Athleten aus aller Welt im August in Rio gegeneinander antreten, dann fiebern die Zuschauer mit den Sportlern, die viele Jahre lang auf die alles entscheidenden Wettkämpfe hingearbeitet haben. Die Sportstätten befinden sich in vier Zonen innerhalb Rio de Janeiros in Maracanã, Barra, Deodoro und Copacabana. Extra für die Wettkämpfe errichtet wurde die Arena da Juventude in Deodora. Hier finden unter anderem die Basketball-Spiele der Frauen und die Fechtwettkämpfe statt. Die schmaleren Gebäudefronten im Osten und Westen der von Vigliecca & Associados geplanten Sporthalle hat die brasilianische Firma TensoFace mit PVC-beschichteten Membranen gestaltet. Insgesamt kamen 1.800 m2 der perforierten Verbundmembranen zum Einsatz. Die größte Herausforderung bestand nach Angaben von TensoFace-Direktor Daniel Gargiulo darin, das Basissystem für die Befestigung der Membranen von Teleskopbühnen aus an der bis zu 20 Meter hohen Fassade zu installieren.

(Foto: Gerflor // Titelbild: Celso Brando)

Mikroklimatische Eigenschaften

Die Verbundmembranen an der Fassade der brasilianischen Sportstätte erzeugen ein Miroklima: Sie sind sehr windbeständig und lassen dank ihrer Transluzenz genügend Tageslicht in die Halle. Gleichzeitig ermöglicht das atmungsaktive Fassadenmaterial eine natürliche Belüftung der Halle, die durch die Verschattungselemente an der Längsfassade und die großzügigen Öffnungen im Dach unterstützt wird. Eigens für die großen Sportevents in diesem Jahr stattete man die Außenfront der Westfassade zusätzlich zu der PVC-beschichteten Membran mit einer zweiten geschlossenen Membran aus, die hinter den Verbundplanen installiert wurde. Sie dient als Isolierung und soll vor großer Sonneneinstrahlung schützen. Für ein angenehmes Hallenklima sorgt außerdem eine Klimaanlage. Diese und die Zusatzmembran werden nach den Wettkämpfen wieder entfernt, weil die Sporthalle im Sinne geringer Unterhaltskosten in der weiteren Nutzung ausschließlich natürlich belüftet werden soll. Damit hört die Umgestaltung der Sportstätte nach den Wettkämpfen allerdings nicht auf. Da die Arena da Juventude später als Schulungs- und Trainingszentrum für Athleten genutzt werden soll, sind deutlich weniger Besucherplätze erforderlich, so dass eine Reduzierung von 5.000 auf 2.000 Sitzplätze vorgesehen ist: eine  vorausschauende und nachhaltige Planung.

(Foto: Celso Brando)

Vorbild London

Wie vielfältig PVC-beschichtete Membranen in der Architektur eingesetzt werden können und dass sie hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit erfüllen, haben die Sommerspiele 2012 in London eindrucksvoll gezeigt. Hier sind für die Sportstätten im Olympiapark und außerhalb des Geländes mehr als 142.000 m2 PVC-beschichtetes Gewebe zum Einsatz gekommen. So unter anderem beim London Aquatics Centre, das von Zaha Hadid Architects entworfen wurde, dem Architekturbüro der leider viel zu früh verstorbenen Architektin und Pritzker-Preisträgerin. Die Formgebung der Schwimmhalle mit ihren zwei 50-Meter-Pools und einem 25 Meter langen Tauchbecken sind von den Bewegungen fließenden Wassers inspiriert. Elementarer Ausdruck dafür ist das elegant geschwungene Dach, das fast zu schweben scheint. Während der Sportwettkämpfe wurde die Zuschauerkapazität auf 17.500 Personen erhöht. Die entsprechende Anzahl an Sitzplätzen befand sich an beiden Seiten der eigentlichen Schwimmhalle auf zwei temporären Tribünenbauten. Um eine optische Klammer zwischen den einzelnen Baukörpern zu generieren und den Zuschauern einen zuverlässigen Wetterschutz zu bieten, erhielten die angebauten Tribünen eine ca. 8.000 m2 große Überdachung aus PVC-beschichteten Membranen, die nach den Spielen wieder zurückgebaut wurde.

Heute liegt die Zuschauerkapazität bei 2.800 Personen. Temporäre Sportstätten mit leichten Membranen lassen sich flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen, indem sie verkleinert oder sogar ganz zurückgebaut werden. Die gebrauchten Verbundmembranen können direkt wieder in neuen Sportanlagen zum Einsatz kommen oder durch moderne Verfahren recycelt und wiederverwertet werden. So wie beim London Aquatics Centre und bei den Royal Artillery Barracks im Londoner Stadtteil Woolwich. Die weißen Hallenfassaden bestanden aus 22.000 m2 PVC-beschichteten Gewebeplanen, die recycelt und anschließend in den Materialkreislauf zurückgeführt wurden. In den temporären Hallen mit ihren runden charakteristischen Farbpunkten fanden die Wettkämpfe im Sportschießen statt. Danach erfolgte der komplette Rückbau der Sportstätten.