Der Modulbau bietet mit seinen vorgefertigten Modulen ideale Voraussetzungen zur schnellen Umsetzung hochwertiger Bauprojekte. So auch bei Bildungsbauten. Viele Schulen in Deutschland müssen grundlegend saniert werden. Damit entsprechende Arbeiten erfolgen können, sind Ersatzgebäude notwendig, um die Schüler zwischenzeitlich zu unterrichten. In Meißen wurden vorgefertigte Module, die unter anderem mit energiesparenden Kunststofffenstern und pflegeleichten Vinylböden ausgestattet wurden, zu einem Schulgebäude zusammengefügt.

Realisierung in nur neun Monaten

Die Sanierung der Questenberg-Grundschule im sächsischen Meißen ist längst überfällig. Dass der Schulunterricht dafür vorübergehend ausgelagert werden muss, war klar. Doch sollte ein entsprechendes Gebäude nicht nur temporär, sondern auf Dauer nutzbar sein, weil in den nächsten Jahren steigende Schülerzahlen zu erwarten sind. Da der Schulneubau schnell benötigt wurde, entschied sich die Kommune für die Modulbauweise und beauftragte das Unternehmen ALHO mit der Realisierung.

„Der größte Vorteil des modularen Bauens lag für uns in der schnellen Realisierung des Projektes“, sagt Ronny Moll vom Stadtbauamt Meißen. Von der Auftragserteilung bis zur Übergabe vergingen nur neun Monate. Die Modulmontage vor Ort dauerte keine 15 Wochen. Schon heute wird der neue Modulbau zu Unterrichtszwecken genutzt. Ab 2021 soll dann der reguläre Schulbetrieb als zweizügige Grundschule mit Hortnutzung starten.

Moderner Modulbau
Moderner Modulbau: Die Einwohner von Meißen nennen ihre neue Grundschule in Anlehnung an die frische Fassadenfarbe die „Himmelblaue“. (Titelfoto/dieses Foto: ALHO Holding GmbH)

Abgeschirmter Schulkomplex

Bei dem von Thomas Bretschneider geplanten Schulneubau mit einer Gesamtfläche von 3.000 Quadratmetern handelt es sich um einen dreigeschossigen Gebäuderiegel direkt an der Straße. Zusammen mit der rückwärtig angeordneten Sporthalle schließt er den Schulhof ein, der dadurch optisch und akustisch von den benachbarten Wohngebäuden abgeschirmt wird.

Die Schulhaus-Fassaden sind mit unterschiedlich großen Kunststofffenstern ausgestattet. Während sich hinter den großen Energiesparfenstern die Unterrichtsräume befinden, liegen hinter den kleineren Öffnungen die Nebenraumzonen. Die pflegeleichten witterungsbeständigen Fenster mit 7-Kammer-Profil bieten einen hohen Wärme- und Schallschutz und passen mit ihrer grauen Beschichtung gut zur blauen Fassade des Schulgebäudes. Aspekte wie die jahrzehntelange Nutzungsdauer der Fenster und das seit vielen Jahren erfolgreich praktizierte Recycling alter Kunststofffenster fördern die nachhaltige Entwicklung.

Farbige Garderobenschränke mit gelbem PVC-Boden
In diesem Raum mit seinen farbigen Garderobenschränken ist ein gelber PVC-Boden verlegt, der sehr freundlich wirkt und äußerst pflegeleicht ist. (Foto: ALHO Holding GmbH)

Vorgefertigte Module

In den beiden Obergeschossen sind acht Klassenräume mit Garderoben- und Nebenräumen untergebracht. Hinzu kommen Räume für Musik, Werken, Kunst und Informatik, Archiv und Bibliothek sowie das Personal. Alle Räume sind mit homogenen Vinylböden in klassischem Design ausgestattet: jedes Geschoss in einer anderen Farbe, so dass sich grüne, gelbe und hellblaue Böden etagenweise abwechseln. Die pflegeleichten Bodenbeläge sind im Hinblick auf die starke Beanspruchung im Schulbetrieb ausgewählt.

Reibungsloser Ablauf

Obwohl weder die Stadt Meißen noch das Büro TB-Architektur Erfahrungen bei der Planung von Modulgebäuden hatten, verlief die Durchführung des Projektes reibungslos. Dies lag einerseits daran, dass ALHO bei dem Schulneubau als Generalunternehmer die Koordination der Fachingenieure und Gewerke übernommen hat. Außerdem ist der Planungsaufwand der Ausführungsplanung beim Modulbau wesentlich geringer als bei Projekten in konventioneller Bauweise.

Bodenbeläge aus Vinyl
Bodenbeläge aus Vinyl dienen als strapazierfähige Basis für die Klassenzimmer, die täglich von vielen Schülern betreten werden.
(Foto: ALHO Holding GmbH)

Serielles Bauen spart Zeit

Die serielle Fertigung der Module spart zudem Zeit und ermöglicht hohe Qualitätsstandards. „Die präzise Vorfertigung der 57 Module im Werk, die im Prinzip der Rohbauphase beim konventionellen Bauen entspricht, jedoch jahreszeitlich unabhängig und unter definierten klimatischen Bedingungen stattfinden kann, hat zum Erreichen unseres Ziels wesentlich beigetragen“, erklärt Bretschneider, der die Modulbauweise auch deshalb schätzt, weil mit ihr selbst kleinere Architekturbüros relativ große und komplexe Projekte realisieren können. Innovative Konzepte erleichtern die Realisierung zusätzlich.

Modularer Baukasten

So haben ALHO und das Essener Architekturbüro Koschany + Zimmer Architekten KZA einen modularen Baukasten mit Standardgrundrissen entwickelt, mit dem sich architektonisch anspruchsvolle Projekte für dringend benötigten Wohnraum in kurzer Bauzeit realisieren lassen. Das Wohnungsunternehmen VONOVIA hat den Baukasten bei zwei Neubauprojekten in Dortmund und Bochum angewendet und jetzt auch im Zuge der Nachverdichtung in Wiesbaden. Gerade beim Bauen im Bestand erleben Anwohner die Vorteile des Modulbaus und der seriellen Vorfertigung hautnah: durch kürzere Bauzeiten sowie weniger Lärm und Baustellenschmutz.