Am 1. Mai öffnete die EXPO 2015 in Mailand ihre Tore. Während der 184 Ausstellungstage drehte sich alles um die größte Herausforderung der Zukunft: die Welternährung. Deshalb stand die EXPO auch unter dem Motto „Feeding the Planet, Energy for Life“. 145 Länder präsentierten ihre Antworten auf die drängende Lösung des Zukunftsproblems. Dabei wurde auf repräsentative Monumentalbauten verzichtet, wie gleich mehrere Pavillons mit PVC-beschichteten Membranen zeigen.

Ein halbes Jahr lang präsentierte die EXPO die globalen Herausforderungen der Welternährung und zeigte gleichzeitig zukunftsorientierte Lösungen auf. Erwartet wurden bis zu 20 Millionen Besucher. Die Weltausstellung sollte ein großer Nachhaltigkeitspark werden, ein „planetarischer botanischer Garten“, ein „riesiger Agrofood-Park“, wie es im konzeptionellen Masterplan einer Experten-Arbeitsgruppe zur EXPO heißt.

Der Deutsche Pavillon

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat die Messe Frankfurt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Pavillon Expo 2015 Mailand (ARGE) mit der Realisierung des Deutschen Pavillons betraut. Auf einer Fläche von 2.680 Quadratmetern zeigt er unter dem Titel „Fields of Ideas“, wie bedeutsam ein wertschätzender Umgang mit der Natur für die Ernährung der Zukunft ist und stellt überraschende Lösungen aus Deutschland vor. Hier spielen nicht nur eine starke Umweltpolitik, innovative Unternehmen und zukunftsweisende Forschungsprojekte eine wichtige Rolle. Auch die Besucher des Pavillons sollen sich als Vertreter einer engagierten Zivilgesellschaft aktiv an der Lösungssuche beteiligen. So lautet das Motto des Pavillons auch „Be active“.

Pflanzen in Membranstruktur

Die ARGE zur Realisierung des Deutschen Pavillons besteht aus mehreren Partnern. Die Architektur des temporären Baus stammt ebenso wie das räumliche Konzept und die Generalplanung von Schmidhuber aus München. Milla & Partner aus Stuttgart ist für das inhaltliche Konzept sowie für die Gestaltung von Ausstellung und Medien verantwortlich. NÜSSLI, weltweit tätiger Anbieter von temporären Bauten für Events, Messen und Ausstellungen, baut den Deutschen Pavillon, der täglich bis zu 16.000 Besucher aufnehmen soll. „Der deutsche EXPO-Beitrag ist durch eine moderne Formensprache in traditionellen Materialien geprägt und setzt auf ein Klimakonzept, das auf dem wirtschaftlichen Umgang mit Ressourcen und Raum basiert. Schlanke Technologien sowie intelligente Konstruktionen fließen im Deutschen Pavillon zusammen“, erklärt August Keller, COO Exhibitions der NÜSSLI Gruppe. Das Gelände mit seiner frei zugänglichen Oberfläche und seiner Themenausstellung erinnert bewusst an die typisch deutsche Feld- und Flurlandschaft in Form einer sanft ansteigenden Landschaftsebene. Dies unterstreichen auch die Membranen, die mit einer Fläche von 1.855 Quadratmetern als zentrales Gestaltungselement dienen. Die über Stahlkonstruktionen gespannten flexiblen Membranen haben die Gestalt aufstrebender Pflanzen und wachsen als „Ideen-Keimlinge“ an die Oberfläche, wo sie ihr großes Blätterdach entfalten. Dabei dienen die stilisierten Pflanzen als verbindendes Element zwischen Außen- und Innenraum. Die mit weichem PVC beschichteten Polyestergewebe des französischen Herstellers Serge Ferrari ermöglichen eine sehr leichte Bauweise. Für die Wahl des Materials sprach vor allem seine Flexibilität, mit deren Hilfe sich die speziellen Formen relativ einfach umsetzen lassen. Die ungewöhnlichen und organisch fließenden Formen werden zum Sinnbild für zukunftsweisende Innovationen am Vorbild der Natur, heißt es in einem Konzeptpapier der EXPO.

(Fotos: NUSSLI Group)

Zwei Wege zur Erkundung

EXPO-Besucher haben zwei Möglichkeiten, die „Fields of Ideas“ zu erkunden. Einerseits über die frei begehbare Landschaftsebene. Sie lädt wie ein öffentlicher Park zum Flanieren ein und ermöglicht mit ihrer Restaurant-Terrasse und ihrer „Deutschen Piazza“ einen freien Blick auf die Veranstaltungsfläche. Dazu gewährt sie durch die Pflanzlöcher der „Ideen-Keimlinge“ aus transluzenten Membranen immer wieder Einblicke in die darunterliegende Ausstellung. So wird eine räumliche Verknüpfung von außen nach innen geschaffen. Eine andere Möglichkeit der Erkundung bietet der direkte Weg durch das Pavillon-Innere. Die Themenausstellung beschäftigt sich auf unterhaltsame Weise mit den Quellen der Ernährung wie Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt, aber auch mit der Lebensmittelproduktion und unserem Konsum.

Mit dem „SeedBoard“, einem mobilen Interaktionsfeld, erhält jeder Besucher einen Ausstellungsbegleiter an die Seite, mit dem Exponate gesteuert und vertiefende Medieninhalte abgerufen werden können. Der Besuch des Deutschen Pavillons mündet schließlich in einer mitreißenden Show.

Mexiko und der Maiskolben

Im Rahmen der EXPO Mailand 2015 plant und baut NÜSSLI sechs außergewöhnliche Länderauftritte. Neben dem Deutschen Pavillon sind das zum Beispiel die Präsentationen von Mexiko und Kuwait. Auch bei diesen beiden Projekten kommen PVC-beschichtete Membranen zum Einsatz: entweder in geschlossener oder offener Netzstruktur. Der vierstöckige Mexikanische Pavillon mit dem Thema „Mexico, the Seed for the New World: Food, Diversity and Heritage“ ist der Form eines Maiskolbens nachempfunden. Die Blätter dieses wohl typischsten Nahrungsmittels Mexikos legen sich im übertragenen Sinne schützend um den eigentlichen Pavillon. Als Material für die Ummantelung der vielseitigen Kulturpflanze kommt eine PVC-beschichtete Membran in Netzstruktur zum Einsatz. Die Ausstellung im Innern des Mexikanischen Pavillons widmet sich der gastronomischen, ökologischen und kulturellen Vielfalt des Landes und stellt die Nachhaltigkeit als treibende Kraft für die Ernährung der Weltbevölkerung in den Fokus.

Kuwait und das Wasser

Der Kuwait Pavillon mit dem Thema „Challenge of Nature“ widmet sich insbesondere dem Thema Trinkwasser und präsentiert Lösungen, wie die Wüste immer weiter bewohnbar gemacht werden kann. Wasser spielt in diesem Land mit seiner exponierten geografischen Lage und seinem extremen Klima seit jeher eine entscheidende Rolle. Das spiegelt sich auch im Grunddesign des Pavillons wider, das als Gestaltungselement auf die trapezförmigen Segel einer Dhow zurückgreift, eines traditionellen Holzbootes, das bis heute auf dem arabischen Golf unterwegs ist. Auch hier werden die Segel aus leichten Membranen gefertigt, die mit weichem PVC beschichtet sind. So wie im Deutschen und Mexikanischen Pavillon sind die schwer entflammbaren Materialien ein zentrales Gestaltungselement auf der diesjährigen EXPO in Mailand. Die eingesetzten Membranen können dank eines innovativen Recyclingsystems für Verbundwerkstoffe wie Polyester und PVC recycelt werden: eine gute Möglichkeit, um wertvolle Ressourcen zu schonen.

Weitere Informationen zum Deutschen Pavillon finden Sie hier.