Die Wetteraussichten im oberpfälzischen Amberg: Wolkig mit Aussicht auf Pommes. Das könnte man zumindest meinen, wenn man derzeit die Ausstellung „YedilAIR“ im Amberger Luftmuseum besucht. Der deutsch-türkische Bildhauer Iskender Yediler präsentiert dort Naturphänomene aus aufblasbaren PVC-Skulpturen – darunter auch eine monumentale graue Wolke, aus der gelbe Balken herausragen.

„Ursprünglich waren es Sonnenstrahlen“, berichtet er dem lokalen Fernsehsender. Eine „Journalistin machte daraus dann Pommes – seitdem ist es nicht mehr wegzudenken!“

YedilAIR: Natur ganz künstlich

Die Natur war schon immer ein beliebtes Motiv in der Kunstgeschichte. Mit satten, prallen Farben huldigen die Künstler der Renaissance ihre Schönheit und die Romantiker sehnten sich nach dem Wilden und Unberührten. Iskender Yedilers Blick auf die Natur ist aber ein anderer: Klassische Phänomene wie Wolken, Sonne und Mond stellt er ganz künstlich dar. Und das nicht nur bei der Wahl des Ortes, also den Innenräumen eines Museums, sondern auch mit dem gewählten Material.

Luftmuseum PVC-Kunst YedilAIR
(Titelfoto/Foto: Marcus Rebmann, Luftmuseum Amberg)

Aus PVC-Membranen bestehend, bilden die Skulpturen mit ihren glatten Oberflächen einen Kontrast zu den organischen Naturerscheinungen, die sie darstellen. Wenn eine blühende Wiese zwischen Museumswänden erscheint, eine dunkle Wolke bedrohlich an der Decke schwebt oder eine Sonne fast schon wie ein Geburtstagsballon im Raum hängt, stellt Yediler unser Bild von der Natur auf den Kopf. Irritiert geht man die Ausstellungsflure lang und staunt, das Vertraute in einem ungewöhnlichen Gewand zu sehen.

Luftmuseum PVC-Kunst YedilAIR
(Foto: Marcus Rebmann, Luftmuseum Amberg)

Pumpen füllen die Skulpturen mit Luft und erwecken die PVC-Membranen zum Leben. Wo gerade noch Tüten schlaff am Boden lagen, türmen sich abstrakte Kunstwerke auf und laden ein, über Natur und Künstlichkeit nachzudenken. Und nicht zuletzt zeigt sich PVC von einer neuen Seite: Vinyl wird in der Amberger Ausstellung YedilAIR zum wortwörtlichen Kunststoff.

Kunst aus PVC – das ist auch Kunst für Zuhause. Während andere Museumsobjekte für alle Ewigkeiten hinter Glasfassaden verbleiben und höchstens als Replika oder Fotokopien zu erwerben sind, können PVC-Skulpturen originalgetreu zu Hause ausgestellt werden. So bietet die Firma tat team, die sich auf aufblasbare Objekte spezialisiert haben, unter anderem Yedilers Sonne und andere Werke wie seine „Palme“ und den „Pool“ an.

Auch andere Künstler setzen auf PVC

Schon in der Vergangenheit haben Künstler mit ausgefallenen PVC-Installationen begeistert. Der Brite Alan Parkinson und sein Team der „Architects of Air“ beispielsweise schufen große begehbare Labyrinthe, in denen Besucher verweilen und ein Spiel aus Licht und Farbe genießen konnten. Das Düsseldorfer Künstlerduo „Banz und Bowinkel“ hingegen ließ computergenerierte Avatare auf PVC-Prints bewegen. Und jüngst schmückte der renommierte Bildhauer Ottmar Hörl den Bonner Münsterplatz mit 700 Beethoben-Skulpturen.

Iskender Yediler ist im türkischen Eskişehir geboren, lebt aber seit seiner Kindheit in Deutschland. In den 1980er Jahren studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Ulrich Rückriem. Bekanntheit erlangte er durch seine Heiligenskulpturen im öffentlichen Raum, wie sein Werk „Cassius und Florentius“ vor dem Bonner Münster. Yedilers Kunst wurde vielfach in Deutschland und Österreich, aber auch in der Türkei, China und Japan ausgestellt.

Luftmuseum PVC-Kunst YedilAIR
(Foto: Marcus Rebmann, Luftmuseum Amberg)

Für das Amberger Luftmuseum schienen seine aufblasbaren PVC-Skulpturen wie gemacht. Das 2006 gegründete Privatmuseum befasst sich mit der Kunst und Kultur der Luft und präsentiert dazu neben technischen Exponaten auch Designobjekte. Die Ausstellung „YedilAIR“ kann noch bis zum 24. Oktober besucht werden.